Eine Anämie (Blutarmut) ist ein Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Dies sind Zellen des Blutes, die für den Sauerstofftransport von der Lunge zu den Geweben zuständig sind. Eine Anämie kann viele verschiedene Ursachen haben, z. B. einen Blutverlust, eine Störung der Blutbildung im Knochenmark, etwa bei Vorliegen einer Leukämie, weiters auch Krebserkrankungen, Nierenerkrankungen, einen Mangel an bestimmten Vitaminen, die für die Bildung der roten Blutkörperchen notwendig sind (Vitamin B12, Folsäure) oder von Eisen, einem wesentlichen Bestandteil des Blutfarbstoffes. Seltenere Anämieformen sind solche, bei denen es zu einer Zerstörung der Erythrozyten im Körper des Patienten kommt (sog. Hämolytische Anämien) oder erbliche Blutbildungsdefekte.
Die Anämie ist in unterschiedlichen Lebensaltern und je nach Geschlecht unterschiedlich häufig. Bei Kindern liegt die Häufigkeit einer Anämie bei 6-9%. Im Alter von 17-49 Jahren liegt die Rate einer Anämie bei 12% bei Frauen und 1.5% bei Männern. In der Altersgruppe der 50-64 Jährigen halbiert sich zunächst die Häufigkeit der Anämie für Frauen, um dann graduell auf 20% bei den über 85 Jährigen anzusteigen. Bei Männern kommt es zu einem rascheren Anstieg der Anämierate im Alter; hier liegt die Häufigkeit bei 25% bei den über 85 Jährigen. Generell ist eine Anämie bei 10% der über 65 Jährigen zu verzeichnen.
Es gibt keine spezifischen Programme zur Vorsorge im Hinblick auf eine Anämie. Zu unterschiedlich sind deren Ursachen. Die Hauptursache der Anämie bei geschlechtsreifen Frauen ist der Eisenmangel (chronischer Blutverlust durch Regelblutungen). Bei älteren Personen sind Mangelzustände (Vitamin B12- Mangel, Folsäuremangel, Eisenmangel) häufige Ursache einer Anämie (ein Drittel der Fälle). Ebenfalls häufig als Ursache einer Anämie bei älteren Personen sind Nierenerkrankungen aber auch Krebserkrankungen zu finden. Bei Feststellung einer Anämie muss daher besonders auch bei Personen in höherem Lebensalter eine genaue Abklärung erfolgen, um die Ursache zu erkennen und entsprechend zu behandeln.
In manchen Fällen lässt sich eine Anämie bei blassem Hautkolorit oder Blässe der Schleimhäute (besonders im Augenbereich) vermuten. Generell gilt dies aber nicht als verlässlicher Indikator. Bei vermutetem Blutverlust, z. B. stärkeren und/oder häufigeren Regelblutungen bei Frauen oder bei Verdacht auf Blutung im Darmbereich (schwarzer „teerartiger“ Stuhl, Blutauflagerungen auf dem Stuhl) sollte ein Blutbild (siehe unter Diagnose) veranlasst werden, um eine Anämie zu erkennen. Dies gilt auch bei Auftreten von Anämiesymptomen.
Die roten Blutkörperchen sind für den Sauerstofftransport zuständig. Bei einer Anämie und damit Mangel an roten Blutkörperchen sind Müdigkeit, Antriebsschwäche, Schwindel häufige Symptome, in ausgeprägteren Fällen auch Atemnot und Kollapsneigung. Diese Beschwerden kommen im Wesentlichen durch eine Unterversorgung der Gewebe mit Sauerstoff zustande. Bei älteren Patienten mit Herzerkrankung kann eine bestehende Herzschwäche verstärkt werden. Die Symptome einer Anämie sind umso ausgeprägter, je ausgeprägter der Mangel und je rascher die Entwicklung der Anämie.