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Hauptinhalte

Andere Formen von Anämie

Univ.-Prof. Dr. Michael Pfeilstöcker

Hanusch-Krankenhaus
3. Medizinische Abteilung - Hämatologie / Onkologie

Heinrich-Collin-Straße 30
1140 Wien

+43-1-9102185431
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www.wgkk.at
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„Neben einem Blutverlust, der bei chronischer Blutung zur Eisenmangelanämie führt, gibt es zwei große Ursachen für die Verringerung der Zahl roter Blutkörperchen: die frühzeitige Zerstörung durch vorzeitigen Abbau oder die gestörte Bildung im Knochenmark", sagt Univ. Prof. Dr. M. Pfeilstöcker.

Andere Anämien im Überblick

Was sind andere Anämien ?

Im Abschnitt „Anämie im Allgemein“ finden Sie im Überblick Informationen zur Erklärung des Begriffs der Anämie, zur gesamten Häufigkeit aller Anämieformen in der Bevölkerung, zu Symptomen und Früherkennung. Neben einem Blutverlust, der bei chronischer Blutung wie angeführt zur Eisenmangelanämie führt gibt es zwei große Ursachen für die Verringerung der Zahl roter Blutkörperchen: die frühzeitige Zerstörung durch vorzeitigen Abbau oder die gestörte Bildung im Knochenmark.

Anämie im Allgemeinen
Eisenmangelanämie und Vitamin K Mangel

Anämie durch vorzeitigen Abbau der roten Blutköperchen - sogenannte Hämolytische Anämien:

Die Zerstörung der Blutkörperchen kann einerseits durch  (oft genetisch bedingte) Eigenschaften der roten Blutkörperchen bedingt sein (z. B. Kugelzellanämie), wobei äussere Reize wie Nahrungsmittel oder Medikamente einen Schub auslösen können (z. B. Favismus). Eine andere Ursache ist die Zerstörung von roten Blutkörperchen durch eine fehlgesteuerte Immunreaktion (Autoimmunhämolyse).

Die zweite große Ursache für eine  Vielzahl verschiedener Anämieerkrankungen ist eine gestörte Blutbildung im Knochenmark:

Als Ursachen sind zunächst Fehlen oder Mangel an dem für die Blutbildung notwendigen Eisen oder den ebenfalls erforderlichen Vitaminen B12 und/oder Folsäure (Vitaminmangelanämien) zu nennen. Zu Mangelerscheinungen an diesen Vitaminen kommt es nicht nur bei Fehlernährung, sondern auch bei Erkrankungen des Magen/Darm-Trakts, durch die trotz ausreichendem Nahrungsangebot eine verminderte Aufnahme der Vitamine vorliegen kann.
Selten sind genetisch bedingte Störungen der Bildung des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin durch Erkrankungen wie Thalassämien, Sichelzellanämie oder Porphyrien. Diese Erkrankungen sind meist nicht nur durch eine gestörte Bildung, sondern auch durch zusätzliche Zerstörung von Blutkörperchen (Hämolyse) gekennzeichnet.  
Häufiger dagegen sind Anämien als Beigleitsymptom und Folgeerscheinungen anderer Erkrankungen. So ist eine gestörte Blutbildung bei Leberschädigung (Alkoholismus) oder Nierenschädigung häufig (in der Niere wird das für die Blutbildung notwendige Hormon Erythropoietin gebildet). Chronische Erkrankungen wie Tumorerkrankungen oder entzündlich/rheumatische Erkrankungen können ebenfalls von einer Anämie begleitet werden. Eine Verdrängung der Blutbildung im Knochenmark durch eine krankhaft veränderte Blutbildung wie bei Leukämien ist eine weitere Ursache für Anämien. Eine spezielle Form der gestörten Blutbildung durch einen Defekt der blutbildenden Stammzelle ist die sogenannte Aplastische Anämie. Schließlich können auch toxische Einflüsse auf das Knochenmark wie Bestrahlung oder Medikamente zu gestörter Blutbildung und damit auch zur Anämie führen.

Epidemiologische Zahlen

Anämien gehören zu den häufigen Erkrankungen. Die Häufigkeit der in diesem Kapitel beschriebenen anderen Anämien ist in Abhängigkeit von der genauen Diagnose sehr unterschiedlich.
Die Häufigkeit von Vitaminmangelanämien (insbesondere Folsäure) hängt von den Ernährungsgewohnheiten ab. Eine echte Vit B12 Mangelanämie ist bei etwa 1/1000 Menschen zu finden, im Alter ist ein Vitamin B12 Mangel häufiger, aber nicht immer mit einer Anämie verbunden.
Angeborene Anämieformen sind in Mitteleuropa selten, können jedoch bei bestimmten Bevölkerungsgruppen häufiger auftreten.
Hämolytische Anämien als eigene Erkrankung ohne auslösende andere Ursache sind selten (ein Erkrankungsfall bei 100 000 Menschen), als Symptom einer anderen Erkrankung ist dies häufiger zu beobachten.
Generell gilt, dass eine Anämie als Begleiterkrankung einer anderen Erkrankung wie zum Beispiel Leber- oder Nierenerkrankung, aber auch die Tumoranämie häufig sind, da erstens diese Grunderkrankungen häufig auftreten und die Mitbeteiligung in Form einer Anämie einen hohen Anteil der Erkrankten betrifft.  


Vorsorge

Da in diesem Kapitel über eine Vielzahl verschiedener Erkrankungen berichtet wird, kann kein einfacher Vorschlag zur Vermeidung einzelner Anämieformen gegeben werden. Da wie angeführt Anämien häufig als Begleitsymptom von anderen Erkrankungen auftreten können, sind Vorsorgemassnahmen zur Vermeidung dieser Erkrankungen (z.B. Leberschäden bei Alkoholismus) und ein allgemein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung sinnvoll. Bei bestehenden Erkrankungen mit begleitenden Anämien kann eine gute Kontrolle der Grunderkrankung die Anämie verhindern oder mildern. Bei genetisch bedingten Anämieformen ist eine genetische Beratung sinnvoll.

Früherkennung

Die allgemeinen Symptome der Anämie werden im Kapitel "Anämie im Allgemeinen" beschrieben. Alle diese Symptome sollten dazu führen, einen Arzt aufzusuchen. Ein einfaches Blutbild wird das Vorliegen einer Anämie beweisen oder ausschliessen. Danach kann eine gezielte Untersuchung zur Feststellung der Anämieursache erfolgen.

Symptome

Zusätzlich zu den allgemeinen Symptome der Anämie können für einzelne spezielle Anämieformen spezifische Symptome treten. So kommt es bei hämolytischen Anämien durch die Zerstörung der Blutkörperchen zu einem vermehrten Anfall von Hämoglobin und seiner Abbauprodukte und dadurch zu einer  Gelbfärbung der Haut und Schleimhäute (besonders gut sichtbar an den Bindehäuten des Auges). Manche Anämieformen wie z. B. Kugelzellanämie oder Thalassämien gehen mit einer Vergrößerung der Milz einher. Bei Vitaminmangelanämien können neurologische Störungen wie zum Beispiel Gangunsicherheit hinzukommen. Bei genetisch bedingten Formen, die bereits im Kindesalter auftreten, können Wachstumsstörungen als weiteres Symptom dazutreten.