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Hauptinhalte

Leukozytose

Prim. Univ.-Prof. Dr. Klaus Geissler

Krankenhaus Hietzing
5. Medizinische Abteilung mit Onkologie, mit Tagesklinik, mit Palliativstation und Ambulanz

Wolkersbergenstraße 1
1130 Wien

+43-1-801103152
+43-1-801102671
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www.wienkav.at
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Prim. Univ.-Prof. Dr. Klaus Geissler ist in dieser Abteilung Abteilungsleiter.

„Erhöhungen der Leukozytenzahlen werden sowohl in der Praxis als auch im Spital häufig festgestellt. Leukozytosen sind meist Laborsymptom einer zugrundeliegenden Erkrankung und sollen daher vom Arzt abgeklärt werden", sagt Univ. Prof. Dr. Geissler.

Diagnose & Behandlung

Bei Vorliegen einer Leukozytose müssen zunächst folgende Fragen geklärt werden: Durch die Vermehrung welchen Zelltyps kommt die Leukozytose zustande, und ist die Leukozytose durch eine Vermehrung reifer oder unreifer Zellen bedingt?
Leukozytosen können zustande kommen durch Vermehrung neutrophiler, eosinophiler, monozytärer, lymphatischer und unreifer (myeloischer oder lymphatischer) Blutzellen.
Leukozyten können bei Erkrankungen reaktiv erhöht (im Sinne einer Begleitreaktion) oder Teil einer bösartigen (neoplastischen) Bluterkrankung sein.
Ein wichtiges Unterscheidungskriterium zwischen neoplastischer und reaktiver Leukozytose ist der Nachweis unreifer Zellformen im Blutausstrich (Linksverschiebung) und das Fehlen von klinischen und oder laborchemischen Entzündungszeichen.

Formen der Leukozytose

Leukozytose durch Vermehrung neutrophiler Zellen

Neutrophile Granulozyten sind die tragende Säule unseres unspezifischen Abwehrsystems, welches vor allem gegen Bakterien und Pilze gerichtet ist.
Eine neutrophile Leukozytose wird bei vielen akuten bakteriellen Infektionen gesehen, unter anderem bei Infektionen durch Kokken, Escherichia coli und Pseudomonas. Sie wird bei lokalisierten Infektionen wie Abszessen, Mandel- und Mittelohrentzündungen gefunden, ist aber ausgeprägter bei ausgebreiteten Infektionen wie Lungenentzündung und Entzündungen von Gallenblase, Gehirnhäuten und Bauchfell. Weitere Ursachen für eine Vermehrung neutrophiler Granulozyten im Sinne einer Begleitreaktion sind Gewebeschädigung, Stress, Medikamente und Milzentnahme.
Viel seltener ist die Vermehrung neutrophiler Zellen auf eine Leukämie (Blutkrebs) zurückzuführen. Der klassische Vertreter dieser Erkrankungsgruppe ist die chronische myeloische Leukämie, die durch moderne Medikamente (sog. Tyrosinkinaseinhibitoren) äußerst erfolgreich behandelt werden kann.

Leukozytose durch Vermehrung eosinophiler Zellen

Eosinophile Granulozyten besitzen einerseits die Fähigkeit, Wurmparasiten außerhalb der Zelle zu zerstören und andererseits die Fähigkeit, Entzündungsreaktionen lokal zu kontrollieren.
Allergische Erkrankungen und Parasiten sind in mehr als 90% der Fälle Ursache für eine Eosinophilie (Vermehrung eosinophiler Granulozyten). In westlichen Ländern sind allergische Krankheiten wie Heuschnupfen, allergische Entzündungen von Haut und Bindehaut sowie Asthma die häufigste Ursache einer Eosinophilie. Bei allergischen Erkrankungen ist die Eosinophilie in der Regel nur mäßig ausgeprägt. Bei PatientInnen mit Hinweisen auf eine mögliche Parasitose und/oder eine Reiseanamnese sollen Stuhluntersuchungen mit Suche nach Wurmeiern, Larven oder allenfalls Protozoen erfolgen. Auch immunologische Erkrankungen können mit einer Eosinophilie einhergehen. Eine Leukozytose infolge einer massiven Vermehrung von Eosinophilen ist sehr selten. In solchen Fällen ist vor allem an ein Hypereosinophilie-Syndrom zu denken.

Leukozytose durch Vermehrung monozytärer Zellen

Monozyten sind einerseits Teil unseres angeborenen unspezifischen Immunsystems andererseits aber auch durch ihre Antigen-präsentierende Funktion eine wesentliche Komponente des erworbenen, spezifischen Immunsystems. Mithilfe ihrer Fressfunktion haben sie die Aufgabe, partikuläre Antigene zu beseitigen, als Antigen-präsentierende Zellen sind sie dafür verantwortlich, den Lymphozyten (Träger des spezifischen Immunsystems) Antigene anzubieten und dadurch die Entwicklung einer zielgerichteten Immunantwort zu initiieren.
Eine Monozytose kann bei bestimmten bakteriellen Infektionen vorkommen, unter anderem bei aktiver Tuberkulose oder Herzklappenentzündung. Die höchsten Monozytenwerte kann man bei leukämischen Erkrankungen wie der akuten Monoblastenleukämie und der chronisch myelomonozytären Leukämie beobachten.

Leukozytose durch Vermehrung lymphatischer Zellen

Lymphozyten sind die tragende Säule des erworbenen Immunsystems, welches bei Aktivierung mit einer spezifischen Immunantwort reagiert.
Von einer Lymphozytose spricht man dann, wenn die Zahl der Lymphozyten im peripheren Blut höher ist als 5.000/mcl. Für die Differentialdiagnostik dieser Blutbildveränderung spielt das Alter des Patienten eine entscheidende Rolle. Die Vermehrung reifer lymphatischer Zellen in jugendlichem Alter ist in der Regel reaktiver Natur und auf Virusinfekte zurückzuführen (wie z. B. das Pfeiffersche Drüsenfieber), Lymphozytosen im späteren Erwachsenenalter sind in den meisten Fällen Ausdruck einer zugrunde liegenden neoplastischen lymphatischen Systemerkrankung.

Leukozytose durch Vermehrung von Blasten

Leukozytosen, die durch eine Vermehrung unreifer Zellen (Blasten) verursacht sind, sind niemals reaktiver Natur und immer Ausdruck neoplastischer Blutbildveränderungen. Liegt eine einheitliche Population unreifer Zellen vor, handelt es sich in der Regel um eine akute myeloische oder lymphatische Leukämie. Bei Blastzellvermehrung ist die Durchführung einer Knochenmarkpunktion obligat, um die Verdachtsdiagnose einer akuten Leukämie abzuklären. 

Behandlung

Leukozytosen selbst sind in der Regel keine unmittelbare Indikation für eine Behandlung. Extrem erhöhte Leukozytenwerte können in ganz seltenen Fällen die Fließeigenschaften des Blutes beeinträchtigen. In solchen Fällen müssen Leukozyten durch entsprechende Verfahren entfernt (Leukapherese) oder durch Medikamente gesenkt werden. Da die Vermehrung weißer Blutkörperchen ein Laborsymptom vieler (in seltenen Fällen auch bösartiger) Erkrankungen sein kann, sollte man eine Leukozytose beim Arzt unverzüglich abklären lassen.